Das neue EINRAUMHAUS
“Erst spaziert, dann herein”

www.einraumhaus.com
www.thegoldenvillage.com

Das EINRAUMHAUS c/o ist ein Raum – und zugleich mehr als das. Das Einraumhaus c/o ist in seiner jetzigen Form die dritte Variante eines Ausstellungsgebäudes, bestehend aus einem Raum.

Auf dem Alten Messplatz im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt positioniert, fügt es sich in ein Umfeld vielfältiger kultureller Praktiken ein. Zwischen Musik, Theater und Alltag entsteht ein Ort, der sich öffnet: für Begegnung, für Wahrnehmung, für Kunst.Aus der Idee einer jugendkulturellen Einrichtung heraus gedacht, versteht sich das Einraumhaus als Einladung. Es schafft einen Zugang zu zeitgenössischer bildender Kunst, der ohne Schwelle auskommt – jenseits institutioneller Räume, die oft Distanz erzeugen. Hier wird Kunst nicht betreten, sondern erlebt.Der Raum selbst erzählt von Zirkulation und Wiederverwendung. Aus gebrauchten Materialien gefügt, trägt er Spuren vorheriger Leben in sich und formt daraus eine neue Gegenwart. An einem Ort, an dem man ihn nicht unbedingt erwartet, entsteht so ein Raum für Austausch und Auseinandersetzung.Innen und außen gehen ineinander über. Der Boden kennt keine Grenze, der Übergang ist fließend. Was als Schutzraum für Kunst gedacht war, entfaltet die Qualität eines öffentlichen Platzes. Das umlaufende Fundament auf Sitzhöhe erinnert an Höfe, an gemeinschaftliche Räume, an das Verweilen. Es lädt ein, zu bleiben.Auch die Hülle spricht: Wiederverwendete Aluminiumdruckplatten reflektieren Licht, Umgebung und Bewegung – und machen den Prozess des Bauens sichtbar.

Das Einraumhaus ist Ausdruck einer Haltung und zugleich ein Versprechen: die Vorstellung einer offenen, demokratischen Stadtgesellschaft. Ein Ort, der Möglichkeiten schafft – für Teilhabe, für Begegnung, für gemeinsame Erfahrung von Kunst.

 

„ERST SPAZIERT, DANN HEREIN“

Was sind die hinreichenden Bedingungen um sich Kunst anzuschauen? Man braucht Zugang zu den Exponaten und Licht. Das Einraumhaus c/o am Alten Messplatz kommt mit beidem auf ungewöhnliche Weise aus: Es gibt weder Elektrizität noch feste Öffnungszeiten. Das Licht fällt ausschließlich durch die Lichtgarden im oberen Bereich des Hauses. Die Sichtbarkeit wird von den Tageszeiten bestimmt.  Es gibt kein Aufsichtspersonal, keinen geregelten Einlass. Wer den kathedralenartigen Raum betreten möchte, muss sich auf den Weg machen – und auf andere einlassen. Fünfzehn Schlüssel, die das große Portal öffnen, sind in der Nachbarschaft, in Institutionen und bei Freunden hinterlegt. Wo genau steht auf einem Hinweisschild am Eingang.
Der Besuch beginnt also außerhalb des Hauses: Man geht los, sucht einen der Orte auf, kommt ins Gespräch, holt den Schlüssel ab – und öffnet schließlich selbst die Tür.
Drinnen: keine Aufsicht, kein Zeitfenster, Kein Druck, kein Beobachtetwerden. Stattdessen Zeit.
So viel Zeit, wie man braucht oder sich nehmen möchte. Zeit, um dem Raum und der Kunst in Ruhe zu begegnen, sich einzulassen, zu verweilen – oder auch, Abstand vom Außen zu gewinnen.

Mitten im Trubel des Alten Messplatzes entsteht so ein Ort der Konzentration und der möglichen Aufmerksamkeit. Nach dem Besuch wird der Schlüssel zurückgebracht. An jedem dieser Orte liegt ein Gästebuch bereit, in das Gedanken, Eindrücke und Wahrnehmungen eingetragen werden können. Die fünfzehn Gästebücher – allesamt Unikate – wurden von der Buchbinderei Annette Schrimpf gefertigt und von Myriam Holme und Philipp Morlock gestaltet. Ihre Einbände sind übersät mit farbigen Fingerabdrücken – Spuren von Individualität, die zum Berühren, Aufschlagen und In-Kontakt-Treten einladen. Beim Benutzen hinterlassen auch die Besucherinnen und Besucher ihre eigenen, unsichtbaren Spuren. Sie überlagern sich, berühren sich, setzen sich fort. Die Idee der Berührung – im physischen wie im gedanklichen Sinne – wird so Teil der Kunstbegegnung selbst. Noch bevor man seine Eindrücke niederschreibt, ist man bereits Teil dieses Gefüges geworden.

Seit 2009 entwickeln Myriam Holme und Philipp Morlock das Einraumhaus als Ort, in dem sie bewusst nicht selbst ausstellen. Mit den Fingerabdrücken auf den Gästebüchern treten sie nun dennoch in Erscheinung – leise, indirekt und als Spur.

 

Photos: Wiebke Fuchs





barac-Kunst/Labor/Soziales
(gemeinsam mit Philipp Morlock und Andreas Handel)

barac ist temporäres Künstleratelier, Werkstatt, Manufaktur, Erdlabor, Farblabor, Küchenlabor, Inklusion und Wohnen.

barac ist Kunst.

barac ist die Verschränkung von Kunst und Handeln, ist Praxis und Theorie, ist Weitergabe und Verknüpfung, Dissens und Diskussion - offen, neugierig und lebendig, überdisziplinär und weltoffen, pragmatisch und utopisch

barac ist Labor

barac ist ein Experiment, ist die ständige Verfeinerung, ein ständiger Prozess, die fortwährende Befragung von Ideen, Formen, Dingen und Materialien die Denken und Handeln ermöglicht.

barac ist Raum 

barac ist ein Ort der Gemeinschaft, der Bündelung und der Leichtigkeit; ein Ort der sozialen Kompetenz und der Relevanz, Impulsgeber für die Metropolregion und Ort der Gestaltung. 

barac ist Kollaboration.

barac ist ein Ort am Rande des Waldes, inmitten eines Reissbrett-Stadtteils, in dem gearbeitet, geredet, gestritten, gedacht, gekocht, geerntet, geplant und gelacht wird - eine Sozialutopie, ein Prozess mit unsicherem Ausgang.

barac ist Soziales

barac versteht sich im Sinne des Black Mountain College, als Ort an dem 
etablierte Gattungs-, Disziplin und Kunstgrenzen überschritten und die Fixierung auf Resultate, Ergebnisse und Werke überwunden werden:  „work in progress“ als umfassende Arbeit am WIE
 

 

www.barac-mannheim.de



Einraumhaus c/o

Einraumhaus c/o Mannheim

von Myriam Holme & Philipp Morlock

Das Einraumhaus ist ein temporäres, flexibles Ausstellungskonzept von Myriam Holme und Philipp Morlock, das in jeder Stadt verwirklicht werden kann. Dank der Unterstützung des Kulturamts Mannheim konnte es erstmals auf dem Alten Messplatz in Mannheim präsentiert werden.

Seit 2010 führte das von Myriam Holme und Philipp Morlock konzipierte Einraumhaus c/o Mannheim ein eigenes kulturelles und künstlerisches Leben.

Die Vernetzung unterschiedlicher Ebenen in der Auseinandersetzung mit Bildender Kunst ist Ausgangspunkt dieses Konzepts. c/o Mannheim beschreibt hier das temporäre Verweilen in Mannheim genauso, wie die Zusammenkunft von Kunstinteressierten, Sammlern, Künstlern und kunstneugierigen Bürgern der Stadt: im Sinne der Abkuürzung c/o: to care of. Dieses dialogische Grundprinzip von sich Begegnen und Austauschen findet seinen Weg in die Stadt hinein und aus der Stadt heraus unter anderem durch das Einbeziehen von vor Ort lebenden Sammlern und Künstlern. Philipp Morlock und Myriam Holme ist es mit dem Projekt Einraumhaus c/o Mannheim gelungen einen Ausstellungsort im öffentlichen Raum zu etablieren. Über die Funktion als Ausstellungsfläche hinaus, ist auf dem Alten Messplatz in Mannheim ein lebendiger Treffpunkt entstanden, an dem es immer wieder zu Vernetzungen, überraschenden Begegnungen und interessanten Gesprächen kommt.

www.einraumhaus.com

Einraumhaus c/o 2010







EinRaumWas?Begehbare Skulptur, Ausstellungskonzept, Museum und ja,Haus!

Hendrik Bündgen zum Einraumhaus c/o, 2011

Als die Tage bereits kürzer, das Wetter ungemütlicher und es merklich feuchter wurde, verabschiedete sich mit einem entfernt plötzlich auftauchenden, schillernden Regenbogen ein seltsames Gebäude von seinem Standort, an dem es über vier Wochen lang als Gast gestrandet war: dem Alten,  2007 neu gestalteten Messplatz in Mannheim. Eine nach Nord-Osten verlaufende außerordentlich sentimentale und chronologische Anordnung vergangener Zweckbauten – das Jugendstilgebäude Alte Feuerwache mit seinem elegant markanten Schlauchturm, gefolgt von den brutal markanten, monumentalen Neckarhochhäusern – brach das von den Künstlern Myriam Holme und Philipp Morlock so genannte Einraumhaus c/o Mannheim auf, obwohl es doch wie ein Relikt vor unserer Zeit wirkte. Archaisch aus gerosteten, miteinander sichtbar vernieteten Metallplatten konstruiert, war das offene Zeltdach der Hausform mit einer schwebenden Glaspyramide bekrönt. Im Inneren warteten weiß getünchte Wände und Holzbohlen auf, und standen somit in ähnlichem Kontrast zum Äußeren, wie die Feuerwache und das Neckarhochhaus dahinter. Mit seinem quadratischen Grundriss (der Innenraum maß 4x4m) schlug das Einraumhaus an seinem Standort Neckarstadt eine formale Brücke, zu der von Kurfürst Friederich IV. von der Pfalz choreografierten Quadratur der Innenstadt. Doch zu welchem Zweck wurde es aufgebaut und was beherbergte das geheimnisvolle Haus, das nur durch eine schmale, weiße Tür zu betreten war?

Neugierige Passanten, Wissende und Kinder, die sowohl neugierig als auch wissend sind, konnten darin in der Zeit vom 8. Juli bis 27. August 2010 zeitgenössische Kunst betrachten. Kunstwerke, im steten Wechsel direkt aus den Werkstätten der Künstler oder aus den Wohnungen von Sammlern, wurden in den white cube des Einraumhauses – dies selbst ein (begehbares) Kunstwerk – getragen und dort aufgehängt, aufgebaut, aufgestellt und in einigen Fällen auch benutzt. Das Einraumhaus war, so sein Erbauer Philipp Morlock, als „Schutzraum“ gedacht, der die Kunst vor der Öffentlichkeit absichern, aber gleichsam ein Betrachten der Kunst erst ermöglichen sollte. So war unweit des Refugiums eine weitere Skulptur auf einem „schatzkistenartigen“Holzsockel platziert, deren Titel diese Assoziation verstärkte: „Wächterskulptur“. Diese mit blau-schwarzer Ölfarbe überzogene Figur erinnerte mit seinen vier, nun zum heiklen Stillstand auf dem Sockel gezwungenen Rädern an eine Kutsche, und demonstrierte doch von Weitem betrachtet eine Schutzfunktion, nicht zuletzt aufgrund des keilförmig und abgerundeten Überzugs und einer physischen Nähe zu dem Haus.

Innerhalb der strukturalistischen Raumauffassung, die mit dem von Gilles Deleuze geprägten Begriff des „reinen spatiums“ eng verknüpft ist, zielt die deutsche Bezeichnung „Raum“ auf das Volumen, während der romanische Ausdruck eine Ausdehnung beinhaltet, von der die Vokabel „Spazieren“ abgeleitet ist.In diesem Sinne wanderte das Einraumhaus nach seinem Abbau aus Mannheim in den Tiefhof der Stuttgarter Galerie ABTART. Dort wurde das bereits in der Quadratestadt erprobte Ausstellungskonzept vom 16. September bis 18. Dezember 2010 überregional fortgesetzt. Aus dem Einraumhaus c/o Mannheim wurde daraufhin das Einraumhaus c/o Stuttgart. Die Namensgebung wird diesen Standortwechsel zukünftig verdeutlichen. Dieser Spaziergang war es, der schließlich für eine Eingebung bei den Machern sorgte – eine Laune der Natur oder ein Geistesblitz ist in diesem Falle unerheblich –, nicht nur innerhalb eines deutschen Bundeslandes zu agieren, sondern das Konzept zu erweitern und somit das Haus über die innerdeutschen Grenzen hinaus und physisch für geraume Zeit auf Reisen zu schicken. So änderte das Einraumhaus nach einer längeren Planungsphase vom 5. November bis 13. November 2011 erneut seinen Namen und wurde in der albanischen Hauptstadt Tirana aufgebaut (Einraumhaus c/o Tirana). Doch um die Wirklichkeit der Verwurzelung des Hauses in Mannheim deutlich zu machen, erhielt es mit Einraumhaus c/o Europe, wie es im gesamten Zeitraum ohne vorgesehenen Standort genannt wird, einen Bruder. Deutlich größer gewachsen und nur einen gekonnten Steinwurf von der Geburtstätte des anderen entfernt, steht seit dem 26. November 2011 das neue, über 9m breite und 6,65m hohe Stammheim Einraumhaus c/o Mannheim.Einem Satelliten gleich“soll künftig der kleinere Bruder um den großen Bruder, den Heimatplaneten kreisen, und einen künstlerischen Austausch mit dem Ausland ermöglichen. Für eine bestimmte Zeitspanne werden deutsche Künstler im Ausland ausstellen, während Künstler aus jenem Standortland in Mannheim gezeigt werden. Diesem erheblich in seinen Dimensionen gewachsenen, rechteckigen Raumformat wurden nun zwei Wächterskulpturen zur Seite gestellt, die aber – diesem neuen, aktiven Austauschkonzept geschuldet – als „Wandermönche“ bezeichnet werden. Über eine Rampe nähert man sich dem neuen Domizil, und bemerkt erst wenige Zentimeter vorher die besondere Haptik der Außenfassade, die bei einem noch genaueren Blick gespachtelte Spuren aus Teer entdecken lassen.

 Ferner wird eine zusätzliche Erweiterung des Konzepts erprobt. Für die nächsten drei Jahre werden aus den laufenden Ausstellungen heraus Kunstwerke für eine Einraumhaussammlung erworben. Dies könnte einem weiteren Gastauftritt des Ausstellungskonzepts anzurechnen sein. Für den Abend des 11. Januar 2011 sorgte der Förderkreis für die Kunsthalle Mannheim e.V. dafür, dass im Jugendstil-Kernbau der Kunsthalle Künstler und Arbeiten aus der ersten Phase vorgestellt wurden. Ohne den, dank des institutionellen Rahmens obsolet gewordenen Schutzraum Haus, waren auf dem mit schwarzen Schieferplatten ausgekleideten Fußboden neben den dauerhaft dort aufgestellten Skulpturen aus der Sammlung der Kunsthalle Mannheim mit weißem Klebeband quadratische Grundrisse (der Innenfläche des ersten Einraumhauses folgend) gezeichnet, innerhalb derer die Arbeiten ausgestellt waren. Im Übrigen wird es auf dem neuen Grundstück institutionelle Verkaufsräume wie ein Museumscafé (Bar) und einen Museumsshop geben, die den Prozess zu einer Kunst vermittelnden Bildungsanstalt vorantreiben werden.

Diese verschiedenen, bereits zur Sprache gekommenen, relationalen Momente fügen sich wie Splitter aus zu Bruch gegangenen Brillengläsern aneinander, die von Myriam Holme und Philipp Morlock neu zusammengesetzt wurden. Das ermöglicht nun einen neuen, gleichermaßen wie durch ein Plus- und Minusglas parallel gesehenen Blick, der territoriale Grenzen verwischt, und dennoch einen regionalen Fokus auf die einzelnen, vorgesehenen Länder legt. Die Idee der bipolaren Verbundenheit war es, die am letzten Tag des ersten Einraumhaus c/o Mannheim aus dem am Himmel erschienen, optisch-atmosphärischen Phänomen des Regenbogens herauswuchs, und wie der Stern von Bethlehem als Wegweiser diente: Um das bis dahin noch unbekannte Neue nur denen zu verkünden, die eine lange und teils beschwerliche Reise in Kauf nehmend bereit waren. Dank gebührt Myriam Holme und Philipp Morlock, den beiden Weisen aus der Quadratestadt.        

 

Einraumhaus c/o 2012 bis jetzt







Mehr als nur eine schöne Geste – die Plakate der Malerin Myriam Holme zu den Ausstellungen im Mannheimer Einraumhaus

Dr. Kerstin Skrobanek

Das Mannheimer Einraumhaus am Alten Messplatz ist das Werk von zwei Künstlern, deren Gestaltungskraft so stark ist und so weit reicht, dass sie ein ganzes Stadtviertel nach ihren Bedürfnissen gestaltet haben. Denn das ist es, was letztlich geschah: Das Einraumhaus hat dem Alten Messplatz und damit der ganzen Neckarstadt ein neues, ein kreatives Gesicht gegeben. Myriam Holme kämpft seit Jahren dafür, mehr kreatives und intellektuelles Input für die in Mannheim ansässigen Künstler in die Stadt zu holen. Das intellektuelle Bedürfnis der Malerin und der Schaffens- und Gestaltungsdrang des Bildhauers fanden zusammen: Komm, wir bauen ein Haus, sagten sie sich wohl eines Tages einfach so beim Frühstück, ein Haus, in dem wir künstlerische Positionen zeigen können, die uns berühren und an denen wir uns reiben wollen. Und wir wollen Musiker einladen, die abends in unserem Haus spielen, die Musik und Performance präsentieren, die man nirgendwo sonst in Mannheim zu sehen oder zu hören bekommt. Eine derart spannende Vision zu erarbeiten und schließlich auch in die Tat umzusetzen ist eigentlich schon ein gigantischer künstlerischer Akt, bedenkt man, dass diese Idee am Alten Messplatz bereits seit 3 Jahren trägt. Vom ersten Tag an hat Myriam Holme die künstlerische Leitung übernommen und uns ein Ausstellungs-, Konzert- und Filmprogramm geliefert, das sich sehen lassen kann. Wie ernst der Künstlerin der Wunsch nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Arbeit anderer Künstlerkollegen war und wie tief sie sich während der letzten Jahre in diese Auseinandersetzung hineinbegeben hat, zeigt ein weiteres künstlerisches Projekt, das sie noch „so nebenbei“, neben all dem Ausschau halten und organisieren, bewältigt hat: Die Malerin Myriam Holme hat für jede Ausstellung, für jeden eingeladenen Künstler ein eigenes Ausstellungsplakat gemalt. Eine schönere und liebevollere Geste, ein aufmerksameres Willkommen kann man sich in der Kunst nicht vorstellen. Mit der eigenen Malerei auf die Arbeit des anderen reagieren. So ist über die Jahre hinweg eine beeindruckende und auch bezaubernde Serie an Ausstellungsplakaten entstanden. Und man kann sich sofort vorstellen, worin die enorme Schwierigkeit dieser Plakate lag: Sie sollten eine Hommage an die Arbeit des jeweiligen Gastes sein und gleichzeitig eine künstlerische Arbeit von Myriam Holme bleiben. Diese Herausforderung hat sie mit Bravour gemeistert. Jeder der ihre äußerst beeindruckenden malerischen Arbeiten kennt, sieht sofort: Es ist eine Arbeit von Myriam Holme – und dennoch spiegelt sie, oft nur durch die Dynamik des Pinselstrichs oder die Auswahl der Farben EXAKT die Arbeit des Künstlerkollegen. Mit einem Blick ermittelt Holme die Essenz der bildnerischen Arbeit des anderen und übersetzt sie in die eigene Sprache, das eigene Formvokabular. So kann man sich auf der Leinwand die Hand reichen. Wäre heute jegliche Ausstellungspraxis von einer derart intensiven Auseinandersetzung geprägt, müssten wir uns nicht mehr mit lästigen Mainstream-Blockbustern herumquälen. Und die wunderbare Kunst der Plakatmalerei, die in den 1960er-Jahren durch den Offset-Druck ersetzt wurde, würde auf die Wände der Musentempel zurück kehren. Danke Myriam Holme.

 Dr. Kerstin Skrobanek













HolmeHaarmann

eine Kooperation mit dem Komponisten Ralf Haarmann

Mit dem Komponisten Ralf Haarmann verbindet Myriam Holme nicht nur eine langjährige Freundschaft , sondern auch mehrere Kooperationen. Neben diversen Platten und CD-Cover für Ralf Haarmann und seine verschiedenen Projekte, auch zwei Klangperformances, die für die jeweiligen Ausstellungsorte und Ausstellungsstücke komponiert wurden. Das erste Stück "fürsichstehend" wurde im Rahmen der Ausstellung "Neue Alchemie" (2009) im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster in der Installation von Myriam Holme aufgeführt.Das zweite Stück "umgeben von stille" wurde in der Rauminstallation "von donnerloser wucht" (2011) in der Galerie Kadel Wilborn in Karlsruhe uraufgeführt. Beide Stücke sind von Ralf Haarmann komponiert. Die Klänge sind teilweise beim Arbeiten an den Kunstwerken im Atelier von Myriam Holme aufgenommen, teilweise wird auf den Arbeiten vor Ort "gespielt", teilweise Klänge nachbereitet. Neben Klängen und Geräuschen kommen Textfragmente aus dem Buch "Die fünf Sinne" von Michel Serres zum Einsatz (gesprochen von Jochen Lagner und An Kuohn).



"fürsichstehend", 2009

Im Rahmen der Ausstellung "Neue Alchemie" im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Münster. Aufgeführt in der Arbeit "schwingendes erinnern"







"umgeben von stille", 2011

Im Rahmen der Ausstellung "von donnerloser wucht" in der Galerie Iris Kadel, Karlsruhe